Hilfen der deutschen Bundesregierung
zugunsten der Deutschen Minderheit in Russland

02. November 2016

Hartmut Koschyk beim XIV. Forum der Russlanddeutschen

Der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk besuchte das XIV. Forum der Russlanddeutschen in Moskau. Hier ein Bericht über seinen Besuch.

Unter Beteiligung des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk MdB, beging der Internationale Verband der Deutschen Kultur (IVDK) in Moskau sein 25-jähriges Bestehen. Das vom IVDK organisierte 14. Forum der Russlanddeutschen widmete sich unter dem Motto „25 Jahre. Zusammen gestalten wir unsere Zukunft!“ der Entwicklung, die der Verband und die Deutschen in der Russischen Föderation seit der Gründung des IVDK genommen haben.

Bundesbeauftragter Koschyk hielt im Rahmen des 14. Forums der Russlanddeutschen während der Plenarsitzung eine Rede und nahm an der Podiumsdiskussion „Deutsche Minderheiten Europas und postsowjetisches Raumes: aktueller Stand und Synergiemöglichkeiten“ teil.

An der Podiumsdiskussion, die im Deutsch-Russischen Haus in Moskau stattfand, nahmen neben Bundesbeauftragtem Koschyk die Vizepräsidentin der Föderalistischen Union europäischer Volksgruppen Olga Martens, der Leiter der Assoziation der gesellschaftlichen Vereinigungen der Deutschen Kasachstans Alexander Dederer, der Leiter des Volksrates der Deutschen der Kirgisischen Republik Waleri Dil und Prof. Dr. Wiljam Schmidt teil. Die Moderation übernahm der Journalist des WDR Hermann Krause. In der Diskussion wurde einerseits angesprochen, wie sich das Bild des Deutschen in den letzten 50 Jahren in Europa und im postsowjetischen Raumen geändert hat. Andererseits wurden die Möglichkeiten der Zusammenarbeit der Vertreter von nationalen Minderheiten in Europa thematisiert. Ein weiterer Aspekt der Diskussion war die Frage „Kann man ethnische Deutsche als ein Volk im Rahmen eines allgemeinen kulturell-sprachlichen Kontextes sehen?“ Außerdem wurde die Frage „Was ist für mich Heimat?“ erörtert. Waleri Dil sagte dazu folgendes: „Ich fühle mich in Deutschland wohl, dort lebt die Mehrheit meiner Verwandtschaft, doch ich selbst wohne in Kirgisien und bin zufrieden damit.“

Im Rahmen des 14. Forums der Russlanddeutschen wurde im Deutsch-Russischen Haus in Moskau das dreibändigen Werk „Erinnerungskultur der Russlanddeutschen“ vorgestellt, das dem 75. Jahrestag der Deportation gewidmet ist, und eindrucksvolle Dokumente von Zeitzeugen enthält.

Der Zeitzeuge Edwin Grieb, Vorsitzender der Gesellschaft „Wiedergeburt“ in Solikamsk, 370 Kilometer nördlich von Perm gelegen, kann sich an viele Tragödien erinnern. Grieb hat Pionierarbeit für die Dokumentation der Deportationsgeschichte geleistet und damit nachhaltig zur Entstehung des dreibändigen Werkes beigetragen. Als die Wehrmacht in die Sowjetunion einmarschierte und damit auch das Schicksal der russlanddeutschen Minderheit besiegelte, war Edwin Grieb gerade mal 16 Jahre alt. Grieb lebte in dem kleinen Dorf Heibudden bei Donezk in der Ukraine, als er in die Arbeitsarmee einberufen wird. 15 000 Russlanddeutsche werden im Herbst 1941 in die Lager des Solikamsker Vorortes Borowsk einquartiert, Grieb war einer von ihnen. Deportation, Trudarmee, Sondersiedlungen – drei historische Katastrophen, die innerhalb von 15 Jahren das Leben der deutschen Bevölkerung in der damaligen Sowjetunion schlagartig veränderten. Mit der vorliegenden Trilogie sind diese vor 75 Jahren stattgefunden Geschehnisse von Zeitzeugen und Zeitgenossen nunmehr zu Papier gebracht worden. Bundesbeauftragter Koschyk hob bei der Buchpräsentation die Wichtigkeit der Erhaltung des historischen Denkmals der Russlanddeutschen hervor. Er würdigte die Arbeit an den Büchern und gratulierte allen, die daran beteiligt waren.

Im Deutsch-Russischen Haus in Moskau besuchte Bundesbeauftragter Koschyk eine Kunstausstellung russlanddeutscher Künstler, die dem 500. Reformationsjubiläum gewidmet ist. Motive der Bilder sind verfallene bzw. wiederaufgebaute Kirchen in der Wolgaregion.

Im Rahmen des 14. Forums der Deutschen aus Russland unter dem Motto „25 Jahre. Zusammen gestalten wir unsere Zukunft!“, fand ein festlicher musikalisch-literarischer Abend in der evangelischen St. Peter und Paul-Kathedrale in Moskau statt, bei der die Ausstellung eröffnet wurde und die Kunstwerke in digitalisierter Form gezeigt wurden.

Bundesbeauftragter Koschyk tausche sich im Rahmen seines Besuches in Moskau intensiv mit dem Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, Dietrich Brauer, aus. Der aus einer russlanddeutschen Familie stammende Theologe ist seit März 2011 Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche im europäischen Russland und seit September 2014 Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland. Damit ist er „Geistlicher Leiter“ des Bundes der Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Russland, der Ukraine, in Kasachstan, Mittelasien und im Südlichen Kaukasus.

Erzbischof Brauer informierte Koschyk über die geplanten Feierlichkeiten zum 500. Reformationsjubiläum. Das Gedenken an die Reformation trage dem Gedanken der Ökumene Rechnung, was sowohl für die katholische Kirche, als auch für die russisch-orthodoxe Kirche in Russland gelte. Auch berichtete Erzbischof Brauer über die zurückliegende öffentliche Gedenkveranstaltung am 28. August 2016 in Erinnerung an den 75. Jahrestag der Deportation in Moskau vor der „Lubjanka“, die von der Stadtverwaltung Moskau unterstützt wurde. An diesem Tag jährte sich der Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR „Über die Übersiedlung der Deutschen, die in den Wolga-Rayons wohnen” vom 28. August 1941 zum 75. Mal, der letztendlich die massenhafte Deportation der Deutschen aus dem europäischen Teil der Sowjetunion in die Tiefen Sibiriens und nach Kasachstan oder Mittelasien einleitete.

NACHRICHTEN
ARCHIVE